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Relsberg

 

Allgemeine Angaben

 

Dorf zwischen Lauter und Odenbach

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Wolfstein

Einwohner (1998): 243

Einwohner (2007): 202

Einwohner (2010): 178

Gemarkung: 381 ha, davon ca. 10 ha Siedlungsfläche und 46 ha Wald

 

Lage

 

Der Ort liegt auf dem Bergrücken zwischen den Tälern von Lauter und Odenbach in etwa 360 Metern Höhe über NN im Quellgebiet von kleinen Bächen, die dem Odenbach zufließen. Die Erhebungen in der direkten Umgebung des Ortes sind mehr als 400 m hoch. Nicht ganz erreichen diese Höhe auf dem Messtischblatt namentlich verzeichnete Berge (Bauschüttberg 399 m, Kahlenberg 396 m)

 

Siedlung und Wohnung

 

Der größte Teil des Dorfes liegt an der Straße, die von Wolfstein nach Hefersweiler führt. Dabei lässt der Ortsbeginn im Südwesten des Bebauungsgebietes eine Siedlungsverdichtung erkennen. Am anderen Ortsende im Nordosten zweigt eine weitere Straße, die zum Friedhof hinführt, von der Hauptstraße ab. Bei der Bebauung handelt es sich in der Regel um ältere Bauernhäuser und um einfache Wohnhäuser. In der Stille des Dorfes lassen sich allerdings auch Institutionen nieder, die wir sonst vor allem in Städten finden. Das Dorfgemeinschaftshaus steht in der Hauptstraße 10. Der Ort gilt heute als eine "Ländliche Wohngemeinde".

 

Name

 

Der Ortsname setzt sich zusammen aus dem Grundwort -berg oder -burg und aus dem Bestimmungswort Regil. Das Wort Regil ist als ein Personenname anzusehen. Das Bestimmungswort kann auf eine Burg hindeuten, zumal in früheren Jahrhunderten der Name gelegentlich auch mit dem Grundwort -burg vorkam. Wenngleich heute keine Burg bei dem Ort nachzuweisen ist, könnte er dennoch bei einer inzwischen vollkommen verschwundenen Burg entstanden sein. Der Name bedeutete demnach Burg des Regil. Zuerst erscheint der Ortsname als Reilsperg in einer Originalurkunde aus dem Landesarchiv Speyer, die zwischen 1432 und 1462 ausgestellt wurde. Weitere Namensformen kommen u. a. vor: Relsburg (vor 1491), Relspergck (1555), Reylsberg (1560), Regelspurg (1565), Rölsberg (1824) (Vgl. Dolch/Greule 1991 S. 386)

 

Wappen

 

Das Wappen zeigt auf grünem Grund über einem silbernen Dreiberg zwei gekreuzte silberne Ähren. Diese Darstellung soll auf die Lage des Dorfes in der gebirgigen Gegend hinweisen und auf die Landwirtschaft, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Haupterwerbszweig galt.

 

Geschichte

 

Vor- und Frühgeschichte

 

Aus der Stein- Bronze- und Eisenzeit liegen uns direkt aus dem Bereich der Gemarkung Relsberg keine Nachrichten über Funde vor. Dennoch war in der Vorzeit das Gebiet rings um den Ort von Menschen bewohnt. In der Gemarkung der Nachbargemeinde Einöllen wurden, im Grenzbereich zur Gemarkung von Relsberg hin, im frühen 20. Jahrhundert 15 Steinbeile gefunden. Außerdem sollen mehrere Grabhügel aus diesem Bereich inzwischen verschwunden sein.

 

Mittelalter

 

Ein genauer Zeitpunkt für die Gründung des Ortes ist nicht festzustellen, wahrscheinlich entstand die Siedlung erst im hohen Mittelalter, vielleicht im 12. Jahrhundert um eine damals bestehende Burg. 1258 wird ein ein Ritter Godfried von Rulsberg genannt, der ein Burgmann auf der Burg Lichtenberg war und als Zeuge in einer Urkunde des Grafen von Veldenz erscheint. Diesen Hinweis gibt nur Michael Frey ohne Quellenangabe und ist deshalb nicht nachzuprüfen. Ansonsten war die Ortsgeschichte eng mit der Geschichte des unweit entfernt gelegenen Ortes Reipoltskirchen verbunden. (s. dort) Danach gehörte er im 14. Jahrhundert den Grafen von Hohenfels, im 15. Jahrhundert zu der Herrschaft Hohenfels-Reipoltskirchen. Nach alten Urkunden besaß das Kloster Otterberg umfangreiche Rechte in Relsberg. So heißt es in einer Zusammenstellung der Abgaben, die dem Kloster zu leisten waren: "Item zu Reilsperge hän wir ein Dritteil am Zehenden". (1432-1462) Aus einer Rechnung, die um 1555 ausgestellt wurde, wird ein "Peter von Relspergck" erwähnt, der für eine bestimmte Menge Wachs zwei Albusse zu zahlen hatte.

 

Neuzeit

 

Ein bedeutender Herr von Reipoltskirchen im 16. Jhd. war Johannes, der als junger Ritter zeitweilig das Heer Franz von Sickingens anführte. Seine Schwiegertochter Amalia heiratete in zweiter Ehe den Grafen Philipp I. von Leiningen-Westerburg, der in allen seinen Besitzungen und auch in der Herrschaft Reipoltskirchen die Reformation einführte. Amalie vermachte 1603 die Herrschaft Reipoltskirchen ihren Brüdern Sebastian († 1619) und Emich († 1628). In der Folgezeit kam es zu weiteren Aufteilungen der Herrschaft, die dadurch oft mehreren Herren unterstand, in sich aber ein geschlossenes territoriales Gebilde blieb. Zu nennen sind die Herren von Löwenhaupt und von Manderscheid-Keil, der Freiherr von Hillesheim († 1748), der Graf von Ellradt († 1767), schließlich Caroline von Isenburg, eine natürliche Tochter von Carl Theodor, dem letzten Kurfürsten von der Pfalz.

 

Neueste Zeit

 

Französische Revolutionstruppen nahmen 1793 die Herrschaft Reipoltskirchen in Besitz und damit auch das Dorf Relsberg. Die Bevölkerung musste sich an der Zahlung von Kontributionen beteiligen. 1799 löste Frankreich die alten Herrschaften auf, damit auch die Herrschaft Reipoltskirchen. Relsberg gehörte nun innerhalb der Französischen Republik zur Mairie Hefersweiler, zum Canton Wolfstein, zum Arrondissement Kaiserslautern und zum Département Donnersberg. Nach der Rückeroberung des linksrheinischen Deutschlands 1814 durch preußische, österreichische und russische Truppen fiel die Gegend nach einer Übergangszeit an das Königreich Bayern. Relsberg lag nun innerhalb des Baierischen Rheinkreises im Kanton des Landcommissariats Kusel und gehörte zur Bürgermeisterei Hefersweiler. Das Dorf blieb bei Bayern bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges und kam dann in der Bundesrepublik Deutschland zum Land Rheinland-Pfalz. Bei der Territorial- und Verwaltungsreform von 1968 wurde es innerhalb des Landkreises Kusel im Jahr 1972 als selbstständige Ortsgemeinde der neu gegründeten Verbandsgemeinde Wolfstein zugeordnet

 

Zeittafel

 

um 1200

Mögliche Ortsgründung um eine inzwischen verschwundene Burg

1258

Angebliche Nennung eines Ritters Godfried von Rulsberg

1432

Relsberg liefert ein Drittel des Zehnten an das Kloster Otterberg

ab 14. Jhd.

Relsberg im Besitz der Herren von Hohenfels, später Hohenfels Reipoltskirchen

1603

Amalie von Daun Falkenstein übergibt die Herrschaft an ihre Brüder

1730

Relsberg teilweise im Besitz von Manderscheid-Keil und teilweise des Grafen von Hillesheim

1773

Relsberg im Besitz des Grafen von Ellrodt

1778

Relsberg im Besitz der Gräfin Caroline von Isenburg

1801

Relsberg in der Französischen Republik, Mairie Hefersweiler, Canton Wolfstein, Arrondissement Kaiserslautern, Département Donnersberg

1817

Relsberg im Königreich Bayern, Kanton Wolfstein, Landkomissariat Kusel

1972

Relsberg ist eine Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Wolfstein

 

Religion

 

Der Ort gehörte ursprünglich zum Glankapitel im Erzbistum Mainz und war kirchenorganisatorisch nach Reipoltskirchen orientiert. Das galt auch noch, nachdem im 16. Jahrhundert spätestens unter Philipp I. von Westerburg-Leiningen die Reformation eingeführt worden war. Damals wurden alle Bewohner nach dem Grundsatz "Cuius regio, eius religio" (Wem das Land, dem die Religion) Anhänger der Lehre von Martin Luther. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren auch Angehörige anderer Glaubensrichtungen berechtigt, berechtigt, sich im Dorf niederzulassen. Allerdings verblieb die große Mehrzahl der Bewohner bei der lutherischen Konfession, und bei der geringen Zuwanderung ließen sich auch nur wenige Katholiken und Reformierte im Dorf nieder. Pfarrort der Lutheraner war Nußbach. Die Katholiken gehörten zur Kirchengemeinde Reipoltskirchen und die Reformierten zur Gemeinde von Dörrmoschel. Das Problem der Aufteilung von evangelischen Christen in Lutheraner und Reformierte erledigte sich in der Pfalz durch die Einführung der protestantischen Union von 1818.

 

Bevölkerung

 

Bis ins 20. Jahrhundert hinein lebte der größten Teil der Bewohner von der Landwirtschaft. Allerdings zogen auch von hier, wie aus vielen anderen Orten des Westrichs, Musikanten aus, um in der weiten Welt ihr Brot zu verdienen. Der größte Teil der Erwerbstätigen muss heute zur Arbeit auspendeln, u. a. nach Kaiserslautern, Wolfstein, Lauterecken. Früher bestanden innerhalb des Ortes geringe Erwerbsmöglichkeiten neben der Landwirtschaft durch das Handwerk, auch in benachbarten Steinbrüchen und Bergwerken. Während das ganze 19. Jahrhundert hindurch ein beständiger Anstieg der Bevölkerungszahlen festzustellen war, kam es im 20. Jahrhundert zunächst zu einem allmählichen, zuletzt aber zu einem gravierenden Abstieg. Während um um 1900 etwa 300 Einwohner gezählt wurden, leben jetzt rund 200 Menschen im Ort, so viele wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

 

Bevölkerungsentwicklung

 

1802

1825

1835

1871

1905

1939

1961

1998

2005

gesamt

145

202

253

277

290

241

240

243

 

13

14

16

lutherisch*

124

188

223

reformiert

6

---

---

*ab 1825 uniert

 

Schule, Kultur, Vereine

 

Schule

Eine erste Nachricht über Schulunterricht in Relsberg erhalten wir aus dem späten 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Zucht von Seidenraupen durch einen dem Namen nach unbekannten 50 Jahre alten Lehrer. Aus Relsberg selbst sind Lehrer in der Folgezeit hervorgegangen. Im 19. Jahrhundert unterrichtete jahrzehntelang ein Lehrer Johann Lehmann aus Relsberg in Nußbach. Ein Lehrer mit Namen Jacob Lehmann, geb. 1822, kam ebenfalls aus Relsberg und unterrichtete in seinem Heimatort. Er bestand 1846 seine Prüfung am Lehrerseminar, wurde 1846 Schulverweser in Relsberg und 1848 ordentlicher Lehrer. Jacob Lehmann muss sehr streng mit seinen Kindern umgegangen sein, und des öfteren gingen bei der Schulinspektion Beschwerden ein wegen Misshandlungen von Kindern. In diesem Zusammenhang musste der Lehrer einmal eine Strafe von 7 Gulden und 28 Kreuzern zahlen. Wegen rheumatischer Beschwerden im rechten Bein suchte Lehmann 1870 um die Versetzung in den Ruhestand nach. Zunächst wurde ihm aber nur ein Gehilfe gewährt, den der Lehrer selbst bezahlen sollte, da er vermögend war. Dagegen setzte sich Lehmann zur Wehr. Der Gehilfe war Karl Hauber aus Wolfstein. 1881 kam für kurze Zeit Otto Lehmann aus Niederkirchen. Jacob Lehmann verstarb 1882. Es folgte nun Wilhelm Schuhmacher aus Duchroth, der bis zum Jahr 1884 in Relsberg blieb. Ihm folgte Wolfgang Menhorn aus Mönchsroth bei Dinkelsbühl, der 1885 ohne Abmeldung Relsberg verließ und sich vergeblich in Dessau und in Neisse um lukrativere Anstellungen bewarb, dann reumütig nach Relsberg zurückkehrte. Menhorn war verschuldet, konnte sich aber durch seine Heirat mit einer Handwerkerstochter aus der Gegend von Feuchtwangen sanieren. Erst nach dieser Heirat wurde er 1885 als ordentlicher Lehrer eingestellt. Doch schon 1887 erhielt er eine Versetzung nach Maßweiler. Neuer Lehrer wurde 1888 Philipp Honig aus Roth, 1864 geb. als der Sohn des dortigen Bürgermeisters. Er hatte in Schwabach die Präparandenschule absolviert und konnte sehr gute Zeugnisse vorweisen. Honig führte den Arbeitsunterricht ein, eine damals sehr fortschrittliche Unterrichtsmethode, die von den Schulbehörden nur mit Vorbehalt akzeptiert wurde. Der Lehrer glaubte, mit seinem Unterricht die Schüler für ein Leben auszubilden, das es ihnen erlauben würde darauf zu verzichten, als Musikanten die Welt zu bereisen. Von ihm stammen die Worte: "Leider ist es eine zu wahre Tatsache, dass gerade in hiesiger Gegend ein ganz bedeutender Prozentsatz der aus der Werktagsschule entlassener Schüler ein vagabundierendes Musikantenleben der anstrengenden und ernsten Arbeit eines Handwerks vorziehen". 1891 wurde Honig Lehrer an einer Schule in Nürnberg. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs folgten ihm eine Reihe von Lehrern, die durchweg nur für kurze Zeit im Ort blieben. Heute besuchen die Grund- und Hauptschüler die ihnen entsprechenden Schulen in Wolfstein. Eine Familie im Dorf betreut in Not geratene Kinder.

 

Quelle:http://www.regionalgeschichte.net/aktive-weiterer-regionen/ortslexikon-landkreis-kusel/startseite/orte-r/relsberg.html